Alternative Realität

von | Aug 20, 2018 | Geldanlage |

Nur Diversifikation schafft beim Anlegen einen kostenlosen Mehrwert für Anleger.

Diese Ansicht basiert auf Forschungsergebnissen, die aufzeigen, dass Diversifikation durch eine Kombination aus Assets, wie Aktien und Anleihen, im Vergleich zu einer individuellen Anlageklasse alleine, die Volatilität reduziert, ohne dabei die erwartete Rendite zu verringern; oder aber eine höhere erwartete Rendite generiert, ohne gleichzeitig die Volatilität zu erhöhen. Das hat viele Anleger hellhörig werden lassen und mittlerweile sind am Markt breit diversifizierte internationale Aktien- und Anleiheportfolios leicht zugänglich, und das zu einem vergleichsweise niedrigen Preis. In einem globalen Aktienportfolio können mehrere Tausend Aktien aus über 40 Ländern vertreten sein. Internationale Anleihenportfolios umfassen oftmals Anleihen von vielen verschiedenen Regierungen und Unternehmen in unterschiedlichen Währungen.

„Geld ist besser als Armut -
wenn auch nur aus
finanziellen Gründen.“

Woody Allen

Auf der Suche nach zusätzlichen Möglichkeiten zur Volatilitätsreduzierung oder Renditeoptimierung, versuchen einige Anleger ihr Portfolio, neben Aktien und Anleihen, mit weiteren Anlageklassen zu erweitern – den sogenannte „alternativen Anlagen“. Das ist heute jedoch eine sehr weitreichende und heterogene Bezeichnung. Je nachdem, wen Sie fragen, kann dieses Etikett beispielsweise für unterschiedliche Arten von Hedgefonds-Strategien, Private Equity oder Rohstoffe verwendet werden. Im Vergleich zu klassischen Aktien oder Anleihen, werden diese Anlagen oftmals mit höherem Renditepotenzial beworben oder mit geringer Korrelation zu anderen Assets (gemeint ist, dass sich zwei Assets nicht zur gleichen Zeit in derselben Weise entwickeln).

In den letzten Jahren haben sogenannte „Liquid Alternatives“ erheblich an Popularität gewonnen. Diese Unterkategorie innerhalb der alternativen Anlagen besteht aus Investmentfonds, die mit den gleichen Grundbausteinen wie die internationalen Aktien- und Anleihenmärkte beginnen, dann aber versuchen, durch Auswahl, Gewichtung und sogar Short-Wertpapieren[1] positive Renditen zu erzielen und sich so von der Wertentwicklung an den Aktien- und Anleihenmärkten abzuheben. Abbildung 1 zeigt das enorme Wachstum in verschiedenen beliebten Kategorien von Liquid Alternative Investmentfonds in den Vereinigten Staaten in den letzten Jahren.

[1] Eine Short-Position ist der Verkauf eines geliehenen Wertpapiers. Short-Positionen sind rentabel, wenn das geliehene Papier an Wert verliert.

Abbildung 1. Anzahl der Liquid Alternative Investmentfonds in den Vereinigten Staaten, Juni 2006–Dezember 2017

Die Stichprobe umfasst US-ansässigen Absolute Return-, Long/Short-Equity-, Managed-Futures- und Market Neutral Aktienfonds aus der CRSP Mutual Fund Database mit einem verwalteten Gesamtvermögen von mindestens 50 Mio. US-Dollar und einer Renditehistorie von mindestens 36 Monaten. Mehrere Aktienklassen werden auf Fondsebene aggregiert.

Diese Entwicklung ist recht erstaunlich angesichts der schwachen historischen Wertentwicklung dieser Fondskategorie im zurückliegenden Jahrzehnt. Aus Abbildung 2 geht hervor, dass die annualisierte Rendite solcher Strategien in den vergangenen zehn Jahren eher dürftig ausfiel, zumindest im Vergleich zu weniger komplexen Ansätzen, wie beispielsweise einfachen Aktien- oder Anleiheindizes. Die Renditen in dieser Kategorie blieben sogar hinter der Wertentwicklung der konservativsten Anlagen zurück. So liegt die durchschnittliche annualisierte Rendite dieser Alternativen im Betrachtungszeitraum unter der Rendite von US-amerikanischen Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit (Treasury Bills) und dies bei wesentlich höherer Volatilität.

[1] Eine Short-Position ist der Verkauf eines geliehenen Wertpapiers. Short-Positionen sind rentabel, wenn das geliehene Papier an Wert verliert.

Abbildung 1. Wertentwicklung und Merkmale von Liquid Alternative Fonds in den Vereinigten Staaten ggü. klassischen Aktien- und Anleihenindizes, Juni 2006–Dezember 2017

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit stellt keine Garantie für zukünftige Entwicklungen dar.

Resultate können für unterschiedliche Zeitspannen variieren, wenn das liquide alternative Fondsuniversum in den Vereinigten Staaten, kalkuliert von Dimensional auf Basis von CRSP Daten, abweicht. Dies dient nur zu Illustrationszwecken und repräsentiert keine spezifischen Investmentprodukte oder Accounts. Man kann nicht direkt in Indizes investieren. Ihre Wertentwicklung enthält daher nicht die mit der Verwaltung eines tatsächlichen Portfolios verbundenen Kosten. Die Fondsrenditen, inkludiert im liquiden alternativen Fondsdurchschnitt, sind abzüglich der Kosten. Der Jahresbericht eines Fonds und der Fondsprospekt können zusätzliche Informationen über den Absatz eines bestimmten Portfolios und die damit verbundenen Kosten enthalten. Die Stichprobe an Liquid Alternative Fonds umfasst US-ansässige Absolute Return-, Long/Short Equity-, Managed Futures- und Market Neutral Aktienfonds aus der CRSP Mutual Fund Database mit einem verwalteten Gesamtvermögen von mindestens 50 Mio. US-Dollar und einer Renditehistorie von mindestens 36 Monaten. Berechnung von annualisierter Rendite, annualisierter Standardabweichung, Kostenquote und jährlichem Portfolioumschlag durch Dimensional als vermögensgewichteter Durchschnitt der Stichprobe an Liquid Alternative Fonds. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index anzulegen. Quelle für einmonatige US-amerikanische Staatsanleihen: 2018 Morningstar. Ehemalige Quelle für einmonatige US-amerikanische Staatsanleihen (1986): Ibbotson und Sinquefield: Stocks, Bonds, Bills, und Inflation. Chicago. Bloomberg Barclays Daten zur Verfügung gestellt von Bloomberg Finance L.P. Frank Russell Company ist die Quelle und der Eigentümer der Marken- und Dienstleistungszeichen sowie Urheberrechte in Zusammenhang mit den Russell Indizes. Die Standardabweichung ist eine Messgröße für die Varianz bzw. Verteilung der Datenpunkte in einer Stichprobe. Standardabweichungen werden oft zur Quantifizierung der Volatilität der historischen Renditen eines Wertpapiers oder Portfolios verwendet. Der Portfolioumschlag ist eine Messgröße für den Anteil der in einem Portfolio innerhalb eines bestimmten Zeitraums gekauften und verkauften Wertpapiere.

Die erwarteten Renditen solcher Strategien sind zwar eine unbekannte Größe, doch Daten zu Kosten und Portfolioumschlag sind leicht zugänglich. Die durchschnittliche Kostenquote oder die laufenden Gebühren dieser Alternativen, fällt im Durchschnitt deutlich höher aus, als bei traditionelleren Aktien-und Anleihenstrategien, die Wertpapiere kaufen und verkaufen. Allein diese Kosten können es für solche Strategien erheblich erschweren, die Resultate zu liefern, die sich Anleger davon versprechen. Das, in Kombination mit dem potenziell hohen Portfolioumschlag bei vielen dieser Strategien, sind die möglichen Gründe für eine unterdurchschnittliche Wertentwicklung, im Vergleich zu traditionellen Aktien-oder Anleihenindizes.

Diese Daten allein rechtfertigen es allerdings nicht, nicht noch weitere Assets genauer zu betrachten, um diese neben Aktien und Anleihen in ein Portfolio mit aufzunehmen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob angesichts kostengünstiger und transparenter Aktien- und Anleiheportfolios am Markt das, was einige alternative Strategien versprechen, wirklich die damit verbundene zusätzliche Komplexität und die höheren Kosten wert ist.

FAZIT

Bei der Überlegung, ob man ein Portfolio aus Aktien, Anleihen und liquiden Mitteln um andere Anlageinstrumente oder Strategien ergänzen sollte, um breit diversifiziert angelegt zu sein, können drei einfache Fragen helfen.

  1. Welchen Mehrwert bringt mir diese alternative Anlage im Vergleich zu meinem aktuellen Portfolio?
  2. Lässt sich damit berechtigterweise annehmen, dass die erwartete Rendite gesteigert bzw. die erwartete Volatilität meines Portfolios reduziert wird?
  3. Gibt es für mich einen erfolgreichen und kosteneffizienten Zugang zu dieser alternativen Anlageklasse oder Strategie?

Bestehen bei einer dieser drei Fragen Zweifel, sollten Anleger vorsichtig bleiben. Ein guter Berater kann Anleger in der Auseinandersetzung mit diesen Fragen unterstützen und letztlich entscheiden, ob eine bestimmte Strategie für sie die richtige ist.

 

ALTERNATIVE STRATEGIEN: - DEFINITIONEN

Absolute Return: Fonds mit dem Ziel, unter allen Marktbedingungen positive Renditen zu erzielen. Absolute Return Fonds haben keinen klassischen Long Only Marktindex als Benchmark, sondern streben überdurchschnittliche Wertentwicklung im Vergleich zu einer Cash-Benchmark oder risikolosen Benchmark an.

Equity Market Neutral: Fonds mit dem Ziel, sowohl in Aufschwung- als auch in Abschwungphasen konsistente Renditen zu erzielen, indem durch die Titelauswahl eine Netto-Marktausrichtung von Null erreicht wird.

Long/Short Equity: Fonds mit einer Portfoliostrategie, die darin besteht, Long-Positionen in Aktien mit Short Positionen in Aktien, Aktienoptionen oder Aktienindex- Optionen zu kombinieren. In der Folge ist der Fonds entweder insgesamt long oder insgesamt short, abhängig von der Markteinschätzung des Portfoliomanagers.

Managed Futures: Fonds, die schwerpunktmäßig in einen Korb von Futures-Kontrakten anlegen, um die Volatilität zu reduzieren und in jedem Marktumfeld positive Renditen erzielen. Die Investmentstrategien basieren auf proprietären Handelsstrategien, die auch Long- und/oder Short Positionen als Option vorsehen.

Kapitalanlagen beinhalten Risiken. Der angelegte Kapitalwert sowie die daraus erzielte Kapitalrendite unterliegen Schwankungen, sodass der Wert der Fondsanteile bei Rückgabe über oder unter dem Erwerbskurs liegen kann. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit stellt keine Garantie für zukünftige Entwicklungen dar. Es gibt keine Garantie dafür, dass Strategien erfolgreich sind. Dieses Material dient nur zu Informationszwecken. Es stellt keine Empfehlung und kein Angebot zur Zeichnung oder zum Kauf von hier genannten Produkten oder Dienstleistungen dar. Die zur Verfügung gestellten Informationen stellen keine ausreichende Grundlage für Anlageentscheidungen dar.

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