Das Paradox der Ungewissheit

von | Jun 14, 2017 | Wissenschaftlich investieren |

„Der Markt hasst Ungewissheit“ – diese Aussage wurde in den letzten Jahren sehr oft verwendet, doch wie logisch ist sie? Der Begriff „Ungewissheit“ beinhaltet viele unterschiedliche Aspekte. Einige dieser Aspekte sind messbar, andere nicht. Ungewissheit ist eine unabänderliche Bedingung des Seins. Als Individuen können wir uns mehr oder weniger unsicher fühlen, doch dieses Gefühl ist ein spezifisch menschliches Phänomen.

Die Ungewissheit selbst hängt nicht von einer bestimmten Stimmung an den Finanzmärkten ab, sondern ist zu jedem Zeitpunkt mit Investments an den Finanzmärkten verbunden. Jede Anlage mit einer erwarteten Rendite über dem „risikolosen Zins“ (denken Sie dabei beispielsweise an kurzfristige Bundesanleihen) bedeutet, dass eine Abwägung zwischen Sicherheit und einer möglicherweise höheren Rendite vorgenommen werden muss.

"Zweifel ist kein angenehmer Zustand, Gewissheit jedoch ein absurder."


Voltaire

Betrachten wir dies am Beispiel eines Aktieninvestments im Vergleich zu einem Investment in Anleihen. Aktien weisen im Allgemeinen eine höhere erwartete Rendite auf als Anleihen, da die Ungewissheit über die künftige Entwicklung von Aktien höher ist als jene für Anleihen.

 

Letztere weisen meist einen festen Coupon sowie ein bestimmtes Fälligkeitsdatum auf, an welchem das eingesetzte Kapital voraussichtlich zurückgezahlt wird. Bei Aktien ist dies nicht der Fall. Anleihen haben zudem einen höheren Rang in der Kapitalstruktur eines Unternehmens. Dies bedeutet, dass bei Konkurs eines Unternehmens Anleiheninhaber gegenüber Aktionären vorrangig ausgezahlt werden. Bevorzugen Anleger aufgrund dieser höheren Ungewissheit daher Anleihen gegenüber Aktien? Ganz im Gegenteil: Viele Anleger investieren ihr Kapital in Aktien, da sie dadurch eine höhere Rendite erwarten. Denn letztendlich sind viele Anleger oftmals bereit, eine höhere Ungewissheit für eine potenziell höhere Rendite in Kauf zu nehmen.

LASSEN SIE SICH NICHT VON IHREN EMOTIONEN LEITEN

Die Aussage „Der Markt hasst Ungewissheit“ mag vielleicht nicht vollkommen logisch sein, doch können Sie daraus dennoch etwas lernen. Wenn Sie genauer über die Bedeutung dieser Aussage nachdenken, können Sie Erkenntnisse über die Denkweise einzelner Anleger gewinnen. Die Aussage versucht, den Markt zu personifizieren, indem ihm eine sehr reale Nervosität und Angst zugeschrieben wird, die so manchen Anleger bei einer Zunahme der Volatilität befallen. Damit wird der Tatsache Rechnung getragen, dass viele Anleger bei Kursschwankungen an den Märkten Schwierigkeiten haben, ihre Gefühle von ihren Anlageentscheidungen zu trennen. Nicht zuletzt lernen wir daraus, dass Änderungen der Marktpreise vielen Anlegern Sorgen bereiten können, egal ob die Märkte neue Höchststände erreichen oder sich gerade auf einem Abwärtstrend befinden. Oftmals fühlen sich solche Phasen nicht wie ein guter Zeitpunkt für ein Investment an. Erst im Nachhinein glauben wir zu wissen, ob ein bestimmter Zeitraum für Investments günstig gewesen ist oder nicht. Auch wenn die Vergangenheit auf sie hinführt, wird die Zukunft immer ungewiss sein.

BEWAHREN SIE RUHE

Vor Kurzem wurde David Booth in einem Interview gefragt, was es bedeutet, ein langfristiger Anleger zu sein:

„Ich werde oft gefragt: ‚Wie lange muss ich warten, bis sich eine Investmentstrategie auszahlt? Wie lange muss ich warten, bis ich mir sicher sein kann, dass Aktien eine höhere Rendite als Geldmarktfonds bzw. eine positive Rendite bringen?‘ Meine Antwort lautet: mindestens ein Jahr länger, als Sie eigentlich wollen. Es gibt keine magische Zahl. Risiko ist immer vorhanden.“ Um in Zeiten, in denen die gefühlte Ungewissheit zunimmt, Ruhe bewahren zu können, brauchen Anleger eine individuell angemessene Assetallokation entsprechend ihrer Bereitschaft und Fähigkeit, Risiken in Kauf zu nehmen. Sie sollten auch beachten, dass sie in vermeintlich guten oder schlechten Zeiten keine höhere Rendite erwarten können, ohne dabei ein gewisses Risiko einzugehen. Es mag zwar sein, dass Anleger bei einem Rückgang des Marktes mitunter kein gutes Gefühl haben, doch kann ein individuell angepasstes Portfolio, ein Bewusstsein über die Tatsache, dass Ungewissheit zum Anlegen dazugehört, sowie das Festhalten an einen im Voraus festgelegten und regelmäßig revidierten Plan, Anlegern dabei helfen, emotionale Reaktionen zu vermeiden. Letzten Endes kann dies zu einer besseren Investmenterfahrung beitragen

Anlagen beinhalten Risiken.  Der angelegte Kapitalwert sowie die daraus erzielte Kapitalrendite unterliegen Schwankungen, sodass der Wert der Fondsanteile bei Rückgabe über oder unter dem Erwerbskurs liegen kann. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit stellt keine Garantie für zukünftige Entwicklungen dar. Es gibt keine Garantie dafür, dass Strategien erfolgreich sind. Dieses Material dient nur zu Informationszwecken. Es stellt keine Empfehlung und kein Angebot zur Zeichnung oder zum Kauf von hier genannten Produkten oder Dienstleistungen dar. Die zur Verfügung gestellten Informationen stellen keine ausreichende Grundlage für Anlageentscheidungen dar.

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